15.02.26 - Fachkräftemangel - leider nicht einfach nur ein Modewort
„Fachkräftemangel“ - ein Begriff, der sich abgenutzt anfühlt. Man liest ihn fast täglich, hört ihn in Diskussionen, an Podien oder in politischen Debatten. Oft rollt man innerlich die Augen, weil dieses Wort so oft benutzt wird, dass es beinahe leer wirkt. Und doch ist genau dies das Problem. Hinter diesem überstrapazierten Modewort verbirgt sich eine Realität, die kaum zu übersehen ist.
Nahezu alle Branchen, fast alle Berufsstände und unzählige Unternehmen sind permanent auf der Suche nach motivierten, gut ausgebildeten Fachkräften. Gleichzeitig stehen junge Menschen vor einer enormen Aufgabe. Sie sollen sich früh entscheiden, herausfinden was ihnen liegt, was sie interessiert und was vielleicht eben nicht. Ihre Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen passen dabei nicht immer zu dem, was der Arbeitsmarkt anbietet. Genau hier klafft eine Lücke.
Eine Lücke, die Projekte wie «metall+du macht Schule» zu schliessen versuchen.
Bereits zum zweiten Mal durfte dieses Projekt mit Schulklassen in Möhlin durchgeführt werden. Die Werklehrerin Christine Koblizek hat das Angebot entdeckt und gemeinsam mit den Botschaftern der Schmid Metallbau AG in den Unterricht integriert. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutete das: Raus aus der Theorie, rein in die Praxis und das unter professioneller Begleitung.
Christine Koblizek zeigt sich überzeugt vom Projekt des Regionalverbands Metaltec Aargau. Besonders schätzt sie, dass nicht nur das komplette Material sowie die technischen Zeichnungen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sondern dass auch ausgebildete Fachkräfte direkt im Unterricht mitarbeiten. «Die Unterstützung durch Profis aus dem Metallbau ist enorm wertvoll», betont sie.
Gerade in Werkstätten, die ursprünglich nicht für die Metallbearbeitung ausgelegt sind, senkt das Projekt die Hürden deutlich.
Ein weiterer Pluspunkt: Für Schulen ohne entsprechende Infrastruktur stehen kostenlose Werkzeugkisten bereit, die alle notwendigen Werkzeuge enthalten. So wird es möglich, Metallverarbeitung realistisch, sicher und praxisnah zu vermitteln, unabhängig von den räumlichen Voraussetzungen.
Dank eines grossen Pools an engagierten Botschaftern ist «metall+du macht Schule» heute in einem Grossteil der Schweiz vertreten und wird auch auf Französisch angeboten. Ziel ist es, Jugendlichen einen ehrlichen Einblick in die Welt des Metallbaus zu ermöglichen, dies ohne Druck, aber mit offenen Augen.
Dass dieses Konzept aufgeht, zeigen die Stimmen der Schülerinnen und Schüler. Die Meinungen sind unterschiedlich, ehrlich und genau deshalb so wertvoll.
„Ja, es gefällt mir gut, besonders nach den Plänen zu arbeiten“, sagt Mattheo (14), auch wenn ihn stört, dass man dabei schmutzig wird. Gloria (14) findet das Arbeiten mit Metall „cool, wenn man weiss, was man machen muss“. Andere wiederum merken klar, dass ihre Interessen woanders liegen. Emily (14) sagt offen, dass ihr das Material unangenehm ist und sie sich eher in der Lebensmitteltechnologie oder im Gesundheitsbereich sieht.
Auch diese Rückmeldungen sind ein Erfolg. Denn nicht jeder muss Metallbauer oder Metallbauerin werden, entscheidend ist, es einmal ausprobiert zu haben.
Bei der Frage nach der beruflichen Zukunft zeigen sich ähnliche Tendenzen. Finn (13) kann sich zwar keinen Beruf direkt im Metallbau vorstellen, entdeckt aber durch das Projekt sein Interesse an Konstruktion und Geometrie. Eleni (15) weiss nach der Erfahrung umso sicherer, dass sie sich eher in sozialen Berufen sieht. Berufsorientierung bedeutet eben auch, Dinge auszuschliessen.
Besonders positiv bewerten die Jugendlichen den direkten Kontakt mit den Fachkräften. „Professionell begleitet zu werden, macht Spass und ist spannend“, sagt Bethany (14). Sahra (14) findet das Projekt abwechslungsreich: „Sonst wäre ich nie mit einem Metallbaubetrieb in Kontakt gekommen.“
Auch für die Botschafterinnen und Botschafter aus der Praxis ist das Projekt bereichernd. Andrea (27), Berufsbildnerin bei Schmid Metallbau AG, beschreibt die Arbeit mit den Klassen als spannend und lebendig. «Es tauchen viele Fragen auf, die wir gerne beantworten. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstständig, und wir unterstützen bei den entscheidenden Schritten.» Gleichzeitig biete das Projekt die Möglichkeit, den eigenen Betrieb vorzustellen und interessierten Jugendlichen Schnupperlehren zu ermöglichen. Oft begleitet sogar ein Lernender das Projekt, als Brücke zwischen Schule und Berufswelt.
Einer dieser Lernenden ist Jonas (20). Für ihn ist die Teilnahme mehr als nur ein Schulbesuch. «Ich hätte mir so ein Projekt selbst gewünscht, als ich noch in der Schule war», sagt er rückblickend. Der frühe Kontakt hätte ihm vielleicht schon eher den Weg in den Metallbau gezeigt. Für ihn persönlich ist der Einsatz auch eine Chance, sich weiterzuentwickeln: «Ich bin eigentlich nicht so offen und suche nicht aktiv den Kontakt. Hier lerne ich genau das.» Besonders liebt er das Schweissen und das Gefühl, ein selbst gefertigtes Projekt später montiert zu sehen.
Am Ende bleibt eine klare Erkenntnis: Projekte wie «metall+du macht Schule» lösen den Fachkräftemangel nicht über Nacht. Aber sie schaffen Begegnungen, bauen Vorurteile ab und geben Jugendlichen die Möglichkeit, echte Erfahrungen zu sammeln mit Kopf, Herz und Händen.
Für alle Werklehrpersonen und Schulleitungen lässt sich deshalb festhalten:
Es gibt keinen Grund, dieses grossartige Projekt nicht einmal an der eigenen Schule umzusetzen.
Weitere Informationen finden sich unter www.metall-und-du.ch.
(Bilder, Text: Daniel Senn)